2019: Pfarrer József Lankó

Pressemitteilung: Shalompreis 2019 an Pfarrer József Lankó aus Ungarn verliehen

Die Preisverleihung 2019 im Video (Bistum Eichstätt)

Der Menschenrechtspreis des Arbeitskreises Shalom für Gerechtigkeit und Frieden an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt wurde am 18. Mai 2019 an Pfarrer József Lankó für seinen Einsatz für die Minderheit der Beás verliehen.

BU: Preisträger Mitte (mit Urkunde) Jozsef Lanko, links davor Agnes Jovanovic, Kindergartenleiterin im Projekt, 3. v.l. Barbara Loos (Vorsitzende des Hochschulrates der KU), 2.v.l. Gerhard Rott (Leiter des Referates Weltkirche des Bistums Eichstätt), dahinter Burkhard Haneke (Geschäftsführer von Renovabis), daneben OB Andreas Steppberger (Foto: Dorotea Lorenz)

Lankó setzt sich seit mehr als vierzig Jahren im südungarischen Alsószentmárton für die Minderheit der Beás ein. Wie andere Roma-Gemeinschaften sind sie Ausgrenzung und Diskriminierung ausgesetzt. Die derzeitige Regierung in Ungarn steht in der Kritik, sich romafeindlicher und antiziganistischer Rhetorik zu bedienen.

Der Priester verwirklichte in den 21 Dörfern, die sein Seelsorgegebiet umfassen, zahlreiche Programme zur Linderung materieller Not. Die Bildungsarbeit ist ihm und seinen Mitstreitern ein zentrales Anliegen. Die Leiterin des Kindergartens von Alsószentmárton, Agnes Jovánovic, begleitete den Preisträger. Sie ist Angehörige der Gemeinschaft der Beás. Ungewöhnlich ist, dass die 100 Kinder, die diesen Kindergarten besuchen, zweisprachig erzogen werden. So lernen sie neben ihrer Muttersprache, einem altertümlichen Rumänisch, Ungarisch und sind dadurch auf die Schule gut vorbereitet. In den sogenannten Tanodas, die mit einer gebundenen Ganztagesschule verglichen werden können, erhalten die Schüler eine gezielte Lernförderung. Daneben bieten sie ein vielfältiges Freizeitprogramm.

Laudator Christof Ludwig vom Verein Caritas-Sankt Martin e.V. aus Witten, die dem Projekt seit über 25 Jahren verbunden sind, schilderte den Werdegang Pfarrer Józsis, wie ihn alle nennen. Mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen habe er das Vertrauen der Menschen gewonnen. Niemals sei sein Handeln eines von oben herab gewesen. Die Freizeitangebote stärkten das Selbstwertgefühl der Jugendlichen. Im Laufe der letzten 25 Jahre führten zahlreiche Austauschprogramme zwischen Witten und Alsószentmárton Kinder und Jugendliche zusammen.

Wie Pfarrer Lankó in einem Vortrag am Vorabend der Shalompreisverleihung im Rathaus in Eichstätt und vor Schülerinnen, Schülern und Lehrenden der Montessori-Schule Eichstätt, erläuterte, ist der Wert der Familie für die Beás zentral. Niemand werde je allein gelassen. Alte, Kranke und Behinderte leben in den Familien. Die materielle Not sei jedoch sehr groß, die Arbeitslosigkeit liege bei fast achtzig Prozent. In einer Suppenküche werden täglich neunzig Essen gekocht und an Bedürftige in den Dörfern verteilt.

In seiner Dankesrede, die Pfarrer József Lankó auf Deutsch hielt, sagte er:

„Wir sind nicht allein. Die Leute in den Dörfern um Alsószentmárton haben erfahren, wir sind wichtig.“

Die Auszeichnung sei für ihn Stärkung und Hoffnung. Shalom bedeute Gerechtigkeit und Frieden, vor allem aber, die Liebe weiterzugeben.

Schirmherr OB Steppberger hob die Bedeutung des Shalompreises als einem der höchstdotierten Menschenrechtspreise, der jedes Jahr thematisch ein Land oder eine Region in den Mittelpunkt der Betrachtung stelle, hervor.

Die Vorsitzende des Hochschulrates, Barbara Loos, die die Präsidentin der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt vertrat, betonte ebenfalls das im AK Shalom geleistete Engagement Studierender und Eichstätter Bürgerinnen für die Menschenrechtsarbeit. Sie verwies darauf, dass die Weltgemeinschaft auf siebzig Jahre  der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zurückblicke, dass bald das Deutsche Grundgesetz siebzig Jahre alt werde und auch in Ungarns Verfassung die Würde des Menschen zentral genannt sei. Dennoch würden Minderheiten ausgegrenzt und diskriminiert. 

Für das Bistum sprach der Leiter des Referates Weltkirche, Gerhard Rott, ein Grußwort. Er unterstrich die ideelle und finanzielle Unterstützung, die der Shalompreis durch das Referat erfahre.  

Burkhard Haneke vom katholischen Hilfswerk Renovabis, das das Projekt von Pfarrer József Lankó seit 25 Jahren unterstützt, erläuterte, dass die in Alsószentmárton lebende Minderheit der Beás zu den Verlierern der Wende nach dem Zusammenbruch des Kommunismus zählte. Die staatlichen Betriebe, in denen viele arbeiteten, schlossen, neue Arbeitsplätze entstanden kaum. Aus Solidarität mit der Arbeit Pfarrer Lankós kamen auch Stipendiaten des Collegium Orientale.

Zur musikalischen Untermalung im bis auf den letzten Platz gefüllten Holzersaal der Sommerresidenz spielte das Ensemble Divertissimo unter Leitung von Alexander Koch.

Beim Abschlussgottesdienst, der traditionell im Salesianum in Eichstätt gefeiert wird, hob KHG-Pfarrer Pater Stefan Weig hervor, dass für József Lankó das Dasein bei den Menschen das Zentrale sei.

Der Shalompreis ist einer der höchstdotierten Menschenrechtspreise in Deutschland. Die Arbeit ist rein ehrenamtlich. Alle Spenden kommen ohne Abzüge für Verwaltungskosten unmittelbar den Projekten zugute. Bis September 2019 kann noch gespendet werden.

Konto: 

KHG

Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte eG

IBAN: DE34 7216 0818 0109 6203 20, Verwendungszweck: Shalompreis 2019

Falls eine Spendenquittung benötigt wird, bitte die Adresse auf dem Überweisungsträger vermerken.


Der Arbeitskreis Shalom hat vergangene Woche das Preisprojekt für 2019 offiziell bekanntgegeben. Pfarrer József Lankó aus Ungarn wird für sein leidenschaftliches und unermüdliches Engagement als Seelsorger für die Minderheit der Beás in Alsószentmárton ausgezeichnet. Die Preisverleihung findet am 18. Mai 2019 in der Sommerresidenz der Katholischen Universität in Eichstätt-Ingolstadt statt.

Pfarrer József Lankó (Foto: Renovabis)

Alsószentmárton ist ein kleines Dorf im Südwesten Ungarns unweit der kroatischen Grenze, in dem ca. 1200 Menschen leben. Die Bewohner gehören der Minderheit der Beás an, einer Untergruppe der Gemeinschaft der Roma. In der ungarischen Gesellschaft sind Roma ständiger Diskriminierung ausgesetzt: Sie haben keinen gleichberechtigten Zugang zu Bildung und finden nur schwer Arbeit, da Unternehmen aufgrund bestehender Vorurteile gegen Roma bevorzugt Ungarn einstellen. Hinzu kommt, dass Roma häufig traditionelle Berufe ausüben, die seit dem Sturz des Kommunismus und dem damit einhergehenden gesellschaftlichen Umbruch nicht mehr gefragt sind. Auf diese Weise hat sich eine Negativspirale aus Ausgrenzung, Armut verbunden mit einem häufigen Abrutschen in den Alkoholismus entwickelt, die eine Integration der Roma in die ungarische Gesellschaft nahezu unmöglich macht.

Diesen Teufelskreis zu durchbrechen hat sich József Lankó zur Aufgabe gemacht: Der ungarische Pfarrer lebt seit fast 40 Jahren als Seelsorger in Alsószentmárton, betreibt eine Suppenküche und lebt als einziger Ungar auf Augenhöhe mit den Beás. Seine Tätigkeiten gehen über die eines gewöhnlichen Seelsorgers jedoch weit hinaus. Um langfristig etwas an der Situation der Roma zu ändern, setzt er sich für eine Verbesserung der Bildungschancen der Kinder und Jugendlichen ein. In sogenannten „Tanodas“ (offene Häuser) erhalten die Schüler im Rahmen einer Nachmittagsbetreuung gezielte Lernförderung, durch die die hohe Schulabbrecherquote im Ort bereits deutlich reduziert werden konnte. Daneben wird ein vielfältiges Freizeitprogramm angeboten: Bei Sport, Musik, Theater und in Ferienfreizeiten werden den Kindern und Jugendlichen neue Perspektiven eröffnet und ihr Selbstwertgefühl gestärkt, ohne dass sie ihre kulturelle Identität dabei aufgeben müssen. 

Wir freuen uns, József Lankós langjähriges Engagement gegen die Diskriminierung von Minderheiten mit dem Shalompreis 2019 auszeichnen zu dürfen. 

 Weitere Informationen im Flyer