Ihr wollt mehr über den AK erfahren?

Eichstätt – Bischofssitz, Heimat der Katholischen Universität und barocke Perle inmitten des Altmühltals. Das kleine Städtchen ist weit über die Grenzen Bayerns hinaus bekannt und beliebter Anlaufpunkt für Touristen aus aller Welt. Dass an diesem idyllischen Ort jährlich einer der höchstdotierten Menschenrechtspreise Deutschlands ver- liehen wird, wissen hingegen nur die wenigsten. Der Arbeitskreis (AK) Shalom für Gerechtigkeit und Frieden an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) verleiht ihn mittlerweile seit beinahe 40 Jahren, den sogenannten Shalom-Preis. 

Gegründet wurde der AK im Jahr 1981 von Eichstätter Theologiestudenten. „Das hebräische Wort Shalom heißt nicht nur Frieden, sondern deckt ein viel größeres Bedeutungsspek- trum, etwa Gerechtigkeit, ab. Wahrer Friede kann nämlich nur da sein, wo auch Gerechtigkeit herrscht“, erläutert AK-Mitglied Ulrike Schurr-Schöpfel den Namen des Menschenrechtspreises. Heute ist kein einziger Theologe mehr unter den Mitgliedern, dafür bildet die Gruppe eine bunte Mischung aus Studierenden verschiedener Fachrichtungen und drei Eichstätter Bürgerinnen.  „Wir machen jedes Jahr auf eine bestimmte Thematik und Region aufmerksam und zeichnen Menschen oder Gruppen aus, die sich weltweit in besonderer Weise für den Frieden und die Gerechtigkeit einsetzen – und das nicht selten unter lebensgefährlichen Bedingungen“, erklärt Schurr-Schöpfel. Hierbei handelt es sich leider keineswegs um eine leere Floskel. Zuletzt musste die Shalom-Preisträgerin aus dem Jahr 2012 etwa, Bertha Cáceres Flores, für ihren mutigen Einsatz mit ihrem Leben bezahlen. 2016 wurde sie in ihrem Haus ermordet. Als Gründungsmitglied und Vorsitzende des Rates der indigenen Völker in Honduras hatte sie sich für die Rechte der Indigenen eingesetzt.   

Mit bis zu 30.500 Euro war der Preis in den vergangenen Jahren dotiert. Die Summe unterscheidet sich von Jahr zu Jahr, je nachdem, wie viele Spenden zusammenkommen. Diese fließen ausnahmslos in den Shalom-Preis. Auf die Preisträger wurde der AK schon auf ganz unterschiedliche Weise aufmerksam: Zeitungsartikel, Internetrecherche, Anfragen bei kirchlichen Hilfswerken oder Hinweise von Außenstehenden. Um den Preisträgern die Reise zur feierlichen Verleihung nach Eichstätt zu ermöglichen, veranstaltet der Arbeitskreis meist spezielle Partys oder Verkäufe, um die Flugkosten abzudecken. Nicht selten hat auch schon das ein oder andere Mitglied etwas aus der eigenen Tasche zugeschossen, um die Flugkosten zu decken. Für ein professionelles Marketing fehlen die personellen und finanziellen Ressourcen. Dennoch – oder gerade deshalb – ist der Shalom-Preis ein deutschlandweit einzigartiges Phänomen.    

„Wir freuen uns, dass das Bistum Eichstätt uns jährlich mit einer großzügigen Spende unterstützt, wir die Infrastruktur der Uni nutzen dürfen und uns die Stadt Eichstätt fruchtbaren Boden für unsere Arbeit bietet“, berichtet Schurr-Schöpfel. Die Sozialpädagogin und Kommunikationswissenschaftlerin war bereits als Studentin im Arbeitskreis aktiv. Nachdem sie zwischenzeitlich andernorts gewohnt hatte, stieß sie 2009 wieder dazu. Hintergrund war ein Artikel in der örtlichen Zeitung. „Ich las, dass in diesem Jahr kein Preis verliehen werden konnte, weil es zu wenige Mitglieder gab. Und da beschloss ich, mich wieder einzubringen“, erzählt die 55-Jährige.  Momentan kann der AK neun aktive Mitglieder verzeichnen. Die meisten von ihnen sind Studierende, die nur für wenige Jahre in Eichstätt wohnen. 

„Es ist bemerkenswert, dass der Arbeitskreis sich trotz des ständigen Wandels so lange erhalten hat“, betont Schurr-Schöpfel. Ein Grund dafür ist sicherlich Margarete Müller. Die 87-Jährige ist bereits seit 1985 Mitglied im AK. Über Jahrzehnte hinweg beherbergte die gelernte Erzieherin die Preisträger sogar in ihrem eigenen Haus. „Das war immer eine tolle Erfahrung, die Menschen kennenzulernen und Zeit mit ihnen zu verbringen“, erinnert Müller sich lächelnd. Dem AK ist die rüstige Rentnerin nach wie vor eine wertvolle Unterstützerin. Seit einigen Jahren strickt sie beispielsweise unermüdlich ihre sogenannten „Shalom- Tücher“, dreieckige bunte Wollüberwürfe, die sie im Eichstätter Weltladen oder im privaten Umfeld verkauft (siehe Foto unten). Der Erlös kommt natürlich ausschließlich dem Shalom-Preis zugute.   

Franziska Fischer ist aktuell das jüngste Mitglied des AKs. „Es ist mir wichtig, mich für eine friedlichere, gerechtere Welt einzusetzen“, beschreibt die 19-Jährige ihre Motivation. Eigentlich wäre Franziska jetzt gerade auf den Philippinen, wo sie den Preisträger aus dem Jahr 2017, Shay Cullen, für sechs Monate besucht hätte. Der irische Priester kämpft vor Ort gegen Armut und sexuelle Gewalt. „Die persönliche Begegnung mit Shay Cullen hat mich sehr beeindruckt. Darum wollte ich mir das Projekt vor Ort ansehen und mithelfen“, erzählt sie. Corona machte den Plänen einen Strich durch die Rechnung – ebenso wie der diesjährigen Shalom-Preisverleihung.  

Einen Preisträger gibt es natürlich trotzdem: Der Shalom-Preis 2020 geht an den italienischen Chirurgen Massimo Del Bene, der sich unermüdlich für Folteropfer aus libyschen Flüchtlingslagern einsetzt und mit seinem Projekt „War Children Hospital“ eine Einrichtung für im Krieg versehrte Kinder schaffen möchte. Pünktlich zum 40-jährigen Jubiläum des Arbeitskreises wird es, wenn die Pandemie es zulässt, im Jahr 2021 also eine Doppelverleihung geben.   

Katharina Zöpfl 

Die Autorin ist MK-Redakteurin und langjähriges AK Mitglied.   

Spenden unter dem Stichwort  „Shalompreis 2020“ an Katholische Hochschulgemeinde, Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte eG, IBAN: DE 34721608180109620320  

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